Gedanken eines Neulings
Ein paar ehrliche Beobachtungen eines Autors, der noch am Anfang steht
Ich habe lange gezögert, diesen Text zu schreiben, weil Zweifel hartnäckiger sind als jede Idee. Schreiben fühlt sich oft wie etwas sehr Einsames an, besonders am Anfang. Man arbeitet, überarbeitet, zweifelt – und fragt sich irgendwann, ob das alles überhaupt jemanden erreicht. Diese Gedanken sind kein Klagen. Sie sind einfach da.
Nach außen ist Schreiben etwas Konkretes. Nach innen bleibt es oft still. Zwischen diesen beiden Ebenen entstehen Fragen, die sich nicht wegdenken lassen.
Nicht aus Unsicherheit, sondern weil man erst lernen muss, mit der Stille umzugehen, die darauf folgt. Am Anfang stand ein leiser Gedanke: Wenn ich es richtig mache, kommt die Anerkennung irgendwann von selbst. Und wenn sie ausbleibt, bleibt eine andere Frage zurück: Warum mache ich das eigentlich noch?
Nicht, weil ein System auf mich wartet. Nicht, weil der Einzelhandel mich belohnen will. Und auch nicht, weil irgendwann jemand sagt: Du warst fleißig, hier ist dein Platz. Ich mache es, weil diese Welt gebaut werden wollte. Weil diese Geschichte geschrieben sein wollte. Und weil ich nicht jemand bin, der nach einer Geschichte aufhört.
Der Unterschied ist nicht Talent. Der Unterschied ist, ob man bleibt. Bleibt, wenn es still wird. Bleibt, wenn Zweifel kommen. Bleibt, wenn der Weg lang, steinig und einsam ist. Vielleicht ist nicht die Frage entscheidend, warum ich das mache, sondern was ich davon erwarte – und von wem.
Wenn die Antwort lautet: vom Markt, vom Handel, vom Algorithmus, dann ist das eine Sackgasse. Wenn die Antwort aber lautet: diese Geschichte zu Ende zu bringen, nicht abgebrochen zu haben und später sagen zu können, ich habe es durchgezogen, dann ist Müdigkeit erlaubt. Zweifel auch.
Ich bin kein Produzent von Content. Ich bin jemand, der baut. Und ja, da ist diese Angst: dass es vielleicht nie jemanden interessiert. Ich gehe an meinem Regal vorbei, sehe meine Bücher, sehe daneben Tolkien. Nicht als Vergleich, sondern als Raum, den wir teilen. Ich stehe nicht auf derselben Stufe, aber im selben Zimmer.
Was fehlt, ist nicht Ruhm. Nicht Geld. Sondern gesehen zu werden. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus dem Grundbedürfnis des Erschaffens.
Ich habe etwas getan, was viele nie tun: Ich habe eine Welt erfunden. Ich habe sie zu Ende gedacht. Und ich habe sie materialisiert – auf Papier, mit Buchrücken, für ein Regal.
Das ist kein Gespräch am Kaffeeautomaten. Das ist Arbeit auf der Ebene von Bedeutung. Die Reaktion darauf ist oft ein freundliches „Cool!“. Nicht aus Geringschätzung, sondern aus Überforderung. Die meisten Menschen haben keine Kategorie dafür. Also gehen sie weiter.
Resonanz kommt woanders her. Von Lesern. Von Stillen. Oft spät. Manchmal nur einmal. Aber dieser eine Moment wiegt mehr als hundert „Cool!“.
Ich schreibe, obwohl ich noch nicht weiß, wen es interessieren wird. Am Ende mache ich es für mich. Aber ich habe es so gebaut, dass andere es finden können, wenn sie bereit sind, dass man sofort eintauchen kann.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Aufgeben und Bleiben.
Ein leiser Gedankengang eines Neulings.